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Dietz, Alexander ; Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (4.1) — Frankfurt am Main, 1925

Page: 48
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Preis und viel teurer, als sie es annehmen könnten, eingekauft und nach Brabant
und diesen Orten getrieben würde; dazu hätten etliche hiesige Viehhändler unlängst
einen Ring durch Festsetzung eines gewissen Preises bei Einkaufung des Viehs
weit und breit gemacht und verkauften dann tausendweis die Hammel nach Brabant.
Die gleichen Klagen kehren 1657, 1661, 1664, 1665, 1667, 1674, 1675 und 1679
wieder. Im Jahre 1674 kam es zu Sclnveinfurt beim Hammeleinkauf zwischen den
hiesigen und den welschen Händlern zu einer großen Prügelei
Während der erneuten Kriege mit Frankreich wurde das Vieh von den Kriegs-
völkern meistens weggeschleppt und die Unsicherheit war so groß, daß man sich
fast nicht vor das Tor wagen konnte, ohne von dem herumstreifenden Volk aus-
gezogen und beraubt zu werden.
Die Lage des Handwerks war eine erbärmliche. Unter etwa 60—70 zünftigen
und 10 unzünftigen (Neuschirner) Meistern waren kaum ein Dutzend vorhanden,
welche mit eigenem Geld Vieh einhandeln konnten. Im Oktober 1661 kam es zu
einem regelrechten Metzgerstreik, als die Behörde sich weigerte, die Fleischtaxe zu
erhöhen. In dieser Zeit waren die Brüder Johannes und Thomas Lindheimer
auf dem Riedhof in Sachsenhausen die ersten hiesigen Viehhändler. Im Jahre 1667
heißt es von letzterem, daß er so große Partien Hämmel einhandle, daß alle Metzger
bei ihm ihren Bedarf decken würden; ausländische wollten ihm jetzt eine Partie
von 3000 Stück auf einmal abkaufen. Im Jahre 1670 ließ sich Lindheimer vom
Rat ein Empfehlungsschreiben geben, daß diejenigen Hämmel, so er aus Deutsch-
land nach Frankreich bringen wolle, sicher passiert werden möchten.
Zu den sieben Söhnen des Johannes Lindheimer gehörten der kaiserliche Rat
Johann Jost von Lindheim (1662—1744), welcher durch Armeelieferungen und
Geldgeschäfte zu großem Vermögen gekommen ist, und der Anwalt am Reichs-
kammergericht Dr. Cornelius Lindheimer zu Wetzlar (f 1722), Goethes Urgroßvater.
Ein weiterer Großhändler war Johann Philipp Forth aus Wörsdorf, welcher fast
nur Geschäfte in Schlachthämmeln mit Frankreich, namentlich Paris, machte, außer
einem Stadthaus in der Neukräm ein Weingut in Schierstein besaß, aber allmählich
in große Schulden geriet. Dadurch, daß sein Schwiegersohn Sebastian Schweitzer
für ihn auf Kosten seines Teilhabers Johann de Famars eine große Summe, angeb-
lich 63000 Rtlr., bezahlte, geriet dessen hochangesehenes altes Geschäftshaus 1672
in Konkurs.
In den Jahren 1674—1679 hatte die Viehzucht fast ganz aufgehört. Die
Metzger mußten oft 30 Meilen Wegs nach Nürnberg, ins Schwabenland und nach
dem Erzstift Bremen reisen, um die Stadt mit Fleisch versehen zu können. Trotz-
dem brachte der hiesige Metzger Johann Friedrich Ochs 1678 tausende von Hämmein
zusammen, welche er an Fremde verhandelte. Infolge dieses Verhaltens „einiger
eigennütziger und gewinnsüchtiger Gemüter“ kam der Ochsenmarkt allmählich in


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