Hinweis: Your session has expired. A new one has started.

Dietz, Alexander ; Dietz, Alexander
Frankfurter Handelsgeschichte / von Alexander Dietz (4.1) — Frankfurt am Main, 1925

Page: 130
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/57-1505-4-1/0147
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile


und wesentlich zur Wiederaufrichtung der darniederliegenden deutschen Volkswirt-
schaft beitrugen.
Nach Verlauf von fünfzig Jahren konnten die Frankfurter Börsenvorsteher in
einer Eingabe an den Senat sagen, daß zweifellos mehr Waren von Deutschland
nach Frankreich als umgekehrt gebracht würden: die von den Refugianten be-
gründeten Manufakturen seien in so florissantem Zustande, daß z. B. die früher
nur in Frankreich hergestellten Gold-, Silber-, Seiden- und Wollwaren von Deutsch-
land nach Frankreich exportiert würden.
Hiermit war aber die Zahl der Einwanderer keineswegs erschöpft. Aus rein
geschäftlichen Gründen, nicht aus politischen oder religiösen, verlegte eine statt-
liche Anzahl italienischer und schweizer Kaufleute ihren dauernden Wohnsitz nach
Frankfurt. Für die ersteren, welche damals vom Hausier- und Kleinhandel mit
Südfrüchten zum Großhandel mit Spezereiwaren übergingen, war die besonders
günstige Lage der Stadt zwischen Genua und Amsterdam, ihren Warenbezugs-
quellen, maßgebend. Erst in dieser Zeit erreichte Frankfurts Handelsverkehr mit
Amsterdam, so bedeutend er auch bisher gewesen war, den Umfang, welchen er
während des ganzen 18. Jahrhunderts besessen hat. Zu den von dort bezogenen
Spezereiwaren kamen die vielbegehrten, in England und Frankreich streng ver-
botenen ostindischen Textilwaren, wie Kattun, Zitz, Kaschmir, Siamoises, Mousseline
und Mouchoirs hinzu. Hierbei war die Tätigkeit der Frankfurter Kaufmannschaft,
namentlich der neueingewanderten, insofern eine aktive, als sie wie einstens im
Deutschen Hause zu Venedig, so jetzt in Amsterdam für eigene Rechnung ihre
Einkäufe und Verkäufe machte und dort ihre ständigen Vertreter unterhielt. Handels-
gesellschafter der großen Spezereiwarenhandlungen Balde, Vermehren, Münch,
Reuß, Hebenstreit, Brentano, Guaita, Bolongaro, ließen sich dauernd in Amsterdam
als Leiter ihrer dortigen Einkaufshäuser nieder.
Wie durch den spanischen Erbfolgekrieg Frankreichs politisches Übergewicht
gebrochen wurde, so auch dasjenige seiner neuen Luxusindustrien durch das Verbot
aller französischen Waren und das rasche Emporkommen der konkurrierenden In-
dustrien der Nachbarländer. Gerade in Frankfurt haben die rührigen Schweizer
aus diesem Verbote reichen Nutzen zu ziehen gewußt. Mit großer Energie wußten
sie mit ihren neuen Industrien Ersatz zu bieten und brachten ihre Fabrikate an
Seiden-, Mode-, Bijouterie- und Galanteriewaren in großen Mengen auf die hiesigen
Messen. Für deren Verkauf wurde Frankfurt bald so wichtig, daß eine Reihe
von Genfer, Basler und St. Galler Großkaufleute hier ihren dauernden Wohnsitz
nahmen. Ähnlich verhielt es sich mit den Niederlanden.
So zog aus der deutsch-französischen Handelssperre weniger unser entkräftetes
Vaterland mit seinen noch zu schwachen Industrien in Schwaben, Kursachsen,
Schlesien und am Niederrhein den erhofften Vorteil, sondern wiederum das Ausland.


130
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list